May 092019
 

Istrien

762 km

Bei regnerischem Wetter komme ich auf dem Campingplatz an. Nach dem gestrigen Edel-Zeltplatz ist hier der erste Eindruck eher enttäuschend. Der Empfang zwar nicht unfreundlich, aber etwas kühl. Die Anlage nicht besonders toll gepflegt. Zudem gibt es keine separate Fläche für Zelte, sondern man bekommt so eine Parzelle zugewiesen, auf der üblicherweise Wohnmobile oder Wohnwagen stehen. Übertrieben groß für mein kleines Zelt und … teuer.

Trotzdem ist es schön, endlich am Tagesziel angekommen zu sein. Aufgrund der schlechten Wettervorhersage werde ich hier zwei Nächte bleiben.
Jetzt freue ich mich erstmal auf eine warme Dusche. Die Sanitäranlagen sind – ganz im Gegensatz zum sonstigen Erscheinungsbild der Anlage – absolut top. Frisch renoviert, sehr groß, perfekt sauber, alles in maritimen Blau. Es gibt große Duschkabinen und unbegrenzt heißes Wasser, nicht immer üblich auf Campingplätzen. Das muss ausgenutzt werden. Herrlich!
Auch am nächsten Tag werden die Waschräume mein beliebtester Aufenthaltsraum auf der Anlage. Ich dusche morgens nach kalter Nacht und abends nach verregnetem Tag. Zähneputzen (sonst gerne im Zelt), Rasieren (sonst gerne im Hotel), hier erledige ich alles in meiner inzwischen liebgewonnenen Wellness-Oase.
Und auch am letzten Morgen möchte ich nach dem Zähneputzen und vor meiner Abreise schnell noch mal duschen. Gerade begebe ich mich vom Waschbecken zur Duschkabine, da tritt eine ältere Dame auf mich zu und sagt:
“Das hier ist der Damenbereich!”
“Wie bitte?”
“Ja, hier sind die Waschräume der Frauen.”
“Echt?”
“Die Männerräume sind auf der anderen Seite des Gebäudes. Hier raus und dann zweimal um die Ecke.”
“Ach was.”
Diese besonders von meiner Seite sehr geistreich geführte Kommunikation hat die Aufmerksamkeit weiterer Damen erregt und so haben sich mittlerweile rund ein halbes Dutzend neugierige Mädels älteren Semesters um mich versammelt.

Nun kann man auf Campingplätzen mit überwiegend deutschen Rentern (wir sind außerhalb der Feriensaison) zuverlässig ein wunderschönes Bild beobachten, in dessen Genuss ich jetzt hautnah komme. Nirgendwo sonst trifft man heute noch so eine Vielfalt an verwaschenen, gestreiften, karierten, geblümten und sonstwie altmodischen Bademänteln, wie auf einem Campingplatz. Nun befinde ich mich in der recht skurillen Situation hier im Damenbereich von einer repräsentativen Auswahl solcher Prachtexemplare umgeben zu sein.
Ein Bild für die Götter!
Das möchte ich natürlich festhalten.
Ich gestehe meinen Fehler ein und bitte die Damen:
”Ok, aber bitte noch ein Foto zum Abschied.”
“NEIN!”
“Och, nur fürs Internet.”
“BLOSS NICHT!”
Um sie gnädig zu stimmen, biete ich an:
“Wer möchte, kann den Bademantel auch anbehalten.”
“RAUS!”
Und Ilse aus Bottrop (wurde beim Zähneputzen so begrüßt) ruft lauthals:
“Ääärwin komma hier isn Pärwärsa!”
Soviel Humor hätte ich ihr gar nicht zugetraut. Und obwohl ich mir sicher bin, dass sie es nicht ernst gemeint hat, bin ich feinfühlig genug, jetzt die gastlichen Räume zu verlassen.
Hinter der ersten Ecke kommt mir Erwin entgegen. Ich begrüße ihn freundlich und habe noch einen wichtigen Ratschlag für ihn:
“Geh da nich rein. Is nur für Mädels!”

Dann verschwinde ich um die nächste Ecke und da ist wahrhaftig der Männerbereich.
Alles in wunderschönem Grün.
Dusche ich halt hier.
Nächstes Mal aber wieder blau!