Apr 212018
 

Nyon, Schweiz

13. Reisetag

692 km

Man befindet sich in der Schweiz, das merkt man sofort. Alles funktioniert, überall ist es aufgeräumt, die Wege und Straßen fast immer perfekt. Dazu diese abwechslungsreiche Landschaft, die herrliche Natur, Berge, Seen, spektakuläre Aussichten, die kleinen Dörfer, manche mittelalterlich. Man kann sich gar nicht satt sehen.
Das ist die eine Seite des Jura. Und gratis dazu gibt es die andere, die französische Seite. An erster Stelle natürlich die außergewöhnlich gute Küche und ein für uns ungewohntes, aber sehr sympatisches Verhalten beim Betreten eines Restaurants. Man begrüßt die bereits anwesenden Gäste, auch wenn man sie gar nicht kennt. Alle sind überaus höflich. Und obwohl es ja eine offizielle Amtssprache ist, sprechen sie so gut wie kein Deutsch hier. Ganz wie in Frankreich eben.
Immer wieder schön auch, wenn man unterwegs Produkten begegnet, die hier hergestellt werden und die man zuhause seit langer Zeit schätzt.
„Ach, hier kommen die her“, denkt man sich dann verwundert. So zum Beispiel, als ich am Mont d‘Or entlang fahre und kleine Käsereien sehe, die den Vacherin Mont d‘Or herstellen, einen Käse, den wir in der kalten Jahreszeit gerne essen. Er kommt hier aus dem Jura, wird nur im Winter bis März produziert und nur bis April verkauft.
Überraschend war für mich auch die Begegnung mit der Schweizer Uhrenindustrie, die im Jura sehr präsent ist. Durch das Aufkommen der elektronischen Uhren wurden natürlich die Hersteller mechanischer Uhren sehr in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings machen die Unternehmen, die überlebt haben, einen äußerst prosperierenden Eindruck. Viele Neubauten und prestigeträchtige Firmensitze zeugen davon. Manche bauen sogar sehr futuristisch anmutende eigene Museen. Der Markt für hochwertige, mechanische Uhren scheint regelrecht zu boomen.
Muss meine auch mal wieder tragen …
Aber wie immer bei so einer Fahrradtour, bei der man ja den ganzen Tag draußen verbringt, sind für mich wieder mal die Menschen das Interessanteste unterwegs.
Alte Mütterchen sitzen auf Bänken vor den Häusern und grüßen freundlich Jeden, der vorbeikommt.
Jugendliche fahren auf Mofas durch die Gegend, überwiegend mit Puch Maxis, von denen ich auch eine als 15-Jähriger hatte. Eine steht noch in meiner Garage, eine liegt zerlegt im Keller.
Andere Radfahrer rufen mir bei der Kurbelei am Berg aufmunternd zu „Bravo! C‘est tres courageux.“ oder „Encore deux-cents metre.“
Abends essen sie so komische Sachen wie Schweinsfüße (keine Haxe! Details erspare ich mir) und trinken Absinth, den es überall gibt und der offensichtlich auch so eine Spezialität aus dem Jura ist.
Alles in Allem, ein wirklich liebenswertes Völkchen auf einem schönen Fleckchen Erde.