Apr 152012
 

Nach dreistündiger Regenfahrt Zeit für eine Pause. Mitten im tiefsten Bayern komme ich in das kleine Dorf Dennamenweißichnicht. Es gibt eine kleine Pizzeria. Der Gastraum ist vielleicht sechs mal sechs Meter groß, hat lediglich fünf Tische und eine Theke. Wie in jeder ordentlichen heimischen Kneipe sitzt auch hier einer, der die ganze Zeit auf einem Spielautomaten rumdrückt. Nur sitzt der hier an der Theke und der Spielautomat ist ein iPad. Auf dem läuft wohl die App “Einarmiger Bandit”. Jedenfalls drehen sich die Rädchen genauso.
Der Laden ist offensichtlich ein echt italienischer Familienbetrieb, zwei Jungs in der (offenen) Küche, ein Mädel an der Theke, ein Mädel bedient. Man unterhält sich lautstark, ohne Unterbrechung, alles auf italienisch. Dabei tut sich die offensichtlich sehr temperamentvolle Kellnerin, schätzungsweise Mitte zwanzig, besonders hervor. Ist aber überhaupt nicht nervend, sondern eher interessant. Man hat das Gefühl, bei einer italienischen Familie zuhause zu sein. Das Essen ist wirklich gut.
Nach dem Espresso fragt mich die Kellnerin, wohin ich denn unterwegs sei. Ich sage ihr, dass ich nach Venedig radle. Das ist zuviel für sie. “Mamma Mia, Venezia!” stößt sie entsetzt hervor und ruft laut und aufgeregt etwas auf italienisch durch den ganzen Saal. Übersetzt hieß es vermutlich “Leute hier sitzt ein Verrückter, der mit dem Fahrrad über die Alpen nach Italien will.” Auf jeden Fall schauen sich alle Gäste um, selbst der Spieljunky! Und aus der Küche stürzt die italienische Sippe hervor, um sich diesen offensichtlich Bekloppten genauer anzusehen. Dann wird es aber sehr nett. Es entspannt sich ein Gespräch unter allen Anwesenden, wobei sich herausstellt, dass die Familie aus Udine stammt, welches ja auch auf meiner Route liegt. Der Spieler ist in einer Metzgerei beschäftigt, fährt täglich mit dem Rad zur Arbeit, kommt so auf 5000 km im Jahr und hat einige Ratschläge zu Regenfahrten für mich.
Später ärgere ich mich, dass ich die ganze Bande nicht fotografiert habe.