Jun 262012
 

Brandenburger Kuh-Ballett Titel Berlin

1. Reisetag

0 Kilometer

Auf dem Weg zum Startpunkt des Berlin-Usedom-Radweges komme ich an der Siegessäule vorbei. Dort fallen mir ungewöhnlich viele Absperrungen auf. Ach ja, klar, es ist Fußball-Europameisterschaft und hier beginnt die Fan-Meile. Die Straße des 17. Juni ist von der Siegessäule bis zum Brandenburger komplett für den Autoverkehr gesperrt. Das ist eine seltene Gelegenheit, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen darf. Es ist Dienstagmorgen und nur wenige Leute sind unterwegs. Eine wunderbare Atmosphäre auf diesem großen und sonst so stark befahrenen Boulevard. Fußgänger, Skateboarder, Jogger und Fahrradfahrer haben die Straße in Besitz genommen. Ich geniesse die Fahrt in vollen Zügen.

Plötzlich und unvermittelt fährt ein sportlicher, älterer Typ (Rentner, wie sich zeigen wird) neben mir und grüßt freundlich. Er erkundigt sich, ob er mir eine Frage stellen dürfe. Nur zu! Er möchte wissen, ob meiner Meinung nach “für eine Frau mit 170 cm Körpergröße und 65 kg Gewicht, die täglich 3 km fahren muss, ein Klappfahrrad mit 16-, oder mit 18-Zoll-Rädern die bessere Wahl wäre.” Mich beeindruckt diese Frage nicht nur ob ihres Inhalts, sondern auch wegen ihrer erstaunlichen Präzision, die einem nicht alle Tage begegnet.

Eine skurrile Situation, hinter mir die Siegessäule, vor mir das Brandenburger Tor, neben mir der lustige Rentner mit der ulkigen Frage.

Ich stelle mir vor, wie eines abends seine Frau mit ernster Miene ins Schlafzimmer kommt und sagt. “Schatz, wir müssen reden!” Er: “Was ist denn, Liebling?” Daraufhin sie: “Schatz, du weißt doch, ich bin 170 cm groß und wiege 65 kg. Und ich muss doch jeden Tag drei Kilometer fahren. Soll ich da ein Klappfahrrad mit 16- oder 18-Zoll-Rädern nehmen?

NIEMALS, wirklich NIEMALS würde eine Frau so etwas fragen. Die einzige Frauenfrage in dieser Richtung ist doch: “Schatz, nehme ich das Blaue oder das Schwarze?” Und Jungs, wir wissen, darauf gibt es keine Antwort!

Bevor ich meinem Mitradler also diese komplexen Zusammenhänge darlege, antworte ich lieber, dass ich ihm in dieser schwierigen Situation bedauerlicherweise wirklich nicht weiterhelfen könne.

Er wechselt das Thema und erkundigt sich, wohin denn meine Reise gehe. Nach Usedom, Barther Bodden, Kopenhagen, Schweden, Bornholm und Sassnitz.
Und woher ich komme? Aus Ratingen. Nein so ein Zufall! In Ratingen haben sie eine gute Freundin, ob ich sie wohl kennen würde. Sie heißt Sowieso. Leider nein. Also, wenn ich die jetzt auch noch gekannt hätte, würde er Asphalt fressen! Daraufhin überlege ich, ob ich meine Meinung nicht vielleicht doch noch revidieren soll. “Frau Sowieso, hmm, ja. Sowieso? Nein, doch nicht.”

Obwohl, das hätte ich schon gern gesehen!